Wer der Mörder in diesem Stück ist, wird gleich zu Beginn klar, denn Woyzeck ersticht Marie innerhalb der ersten zehn Minuten. Aber so klar ist es dann doch nicht: „Ich bin kein Mörder… Schaut euch selbst an“, fordert der benommen wankende Woyzeck von den anderen Figuren auf der Bühne, und indirekt vom Publikum.
Das Publikum besteht in diesem Fall aus über 200 Schülerinnen und Schülern der ERS1, die diese Woyzeck-Inszenierung am 7. März 2025 durch das Ensemble „Kortmann&Konsorten" im Rahmen des Deutsch- und DS-Unterrichtes zu sehen bekommen. Und diese schlägt das junge Publikum von Anfang an in ihren Bann: die Reihenfolge der Szenen wird in Gameshow-Manier ausgelost, weshalb die in hohem Tempo gespielte Inszenierung von ständigen Brüchen, Tempo- Stimmungs- und Genrewechseln geprägt ist. „Verhetzt“ sind hier eigentlich alle außer Woyzeck, dem passiven ruhenden Pol im Bühnengeschehen. Desorientiert wankt er durchs Publikum, während die anderen Figuren zwischen Slapstick und SM, Popkultur und Pseudowissenschaft die unterschiedlichsten Arten finden, ihn zu erniedrigen.
Gespielt wird Woyzeck von Julius Ohlemann, der einigen Schülerinnen und Schülern gut bekannt ist, denn zusammen mit der Regisseurin Sarah Kortmann ist er regelmäßig im Grundkurs DS 12 von Herrn Logan präsent, im Rahmen einer vom Kulturfonds Rhein-Main geförderten Kooperation.
Nach der Aufführung steht das Ensemble den Schülerinnen und Schülern für ein Gespräch zur Verfügung und beantwortet Fragen zu so unterschiedlichen Themen wie den Emotionen der Schauspielerinnen bei der Darstellung von Gewalt und ihren Einkommensverhältnissen.
Über manches werden die Schülerinnen und Schüler noch eine Weile nachdenken müssen. Nur eines ist sicher: Appetit auf Erbsen hat nach dieser Aufführung niemand.
(Text/Foto: Log)