Sonntag, 10 Juni 2018 07:16

Abiturrede

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Abiturrede vom 09.06.2018 von Jean Rudi Maurer

Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer und liebe Eltern,

als allererstes möchte ich mich beim Abikomitee, den Schülerinnen und Schülern bedanken, die sich so viel Arbeit und Stress gemacht haben, uns so einen schönen Abiball zu gestalten.

Ich habe mich bei unserem Abikommitee gemeldet, um eine kurze Rede zu halten. Ich wollte diese Rede halten, weil ich eine gewisse Angst vor der Zukunft in mir entdeckt habe und ich glaube, dass ich damit nicht alleine bin. Jeden Tag hören wir neuen Schrecken aus der Welt. Wir merken, wie sich die Welt aufspaltet und Hass und Rassismus wieder Gehör finden. Die Klimakatastrophe von Morgen ist uns heute schon bewusst. Wer schon mal probiert hat, eine Wohnung in Frankfurt zu finden, weiß, dass unsere Zukunft nicht mehr nur von uns bestimmt wird. Und ich merke, wie eine Unsicherheit in mir wächst. Natürlich weiß jeder hier, dass es uns noch gut geht, dass mir und allen anderen alle Wege offen sind. Aber doch nagt an mir eine Unsicherheit. Alles, was ich plane, alles, was ich werden will, wirkt lose. Dass meine Träume und meine Pläne wahr werden, dass ich glücklich werde, scheint unsicherer. Viele von uns beginnen sich deshalb mit einfachen Lebensideen zu begnügen. Besser man hat ein gesichertes Einkommen, als flüchtige Freuden. Besser jetzt schon an die Rente denken. Besser auf einen Job hin zu studieren, als aus Interesse. Trotzdem werden wir wahrscheinlich nicht sonderlich reich oder sonderlich erfolgreich. Die Sicherheit, durch harte Arbeit alles erreichen zu können, ist unserer Generation nicht mehr gegeben.

Aber meine Angst vor der Unsicherheit meiner Zukunft wird durch eine andere Angst überschattet. Ich habe Angst, mein Leben einfach nur zu verleben. Statt Dinge zu wagen, die mir gefallen, die mir etwas bedeuten, werde ich mich vielleicht in meine kleine Wohnung zurückziehen und zusehen, wie alles an mir vorbeizieht. Dafür aber werde ich mich sicher in einer unsicheren Welt fühlen.

Aber das sollte nicht unsere Idee vom Leben sein und das ist auch nicht das Gefühl, mit dem wir aus der Ernst-Reuter-Schule gehen sollten. Diese Schule mag nicht für die neue Bildungselite oder für das große Geld stehen. Aber, wie ich finde, für etwas weitaus Menschlicheres. Sie steht einfach nur für uns Schülerinnen und Schüler. Hier ist es nicht wichtig wie gut du in der Klasse bist. Es ist nicht wichtig, woher du kommst oder wohin du gehst. Wir Schüler stehen nicht in Konkurrenz miteinander, sondern versuchen gemeinsam durch die Schule zu kommen. Gemeinsam das Abitur zu bestehen. Und jetzt stehen wir alle hier im Saalbau bei unserem Abiball und können stolz sagen, dass wir das Abitur gemeistert haben. Unsere Lehrerinnen und Lehrer darf man dabei nicht vergessen. Sie waren eine große Unterstützung auf diesem schweren Weg. Aber Projekte wie die BSO-Woche oder das Mentorensystem zeigen, dass auch hier eine andere Idee vorherrscht. Die Lehrerschaft möchte nicht nur uns Wissen vermitteln, sondern sie möchte mit uns neue Wege ausprobieren, Richtungen erkennen, die wir später nehmen können und uns dabei im Schulalltag nicht alleine lassen. Deswegen möchte ich auch der gesamten Lehrerschaft, dem BSO-Team und der Schulleitung, Frau Schmidt-Dietrich und Frau Weber-Backhaus, sowie der Schulverwaltung Danke sagen. Der nun gehenden Frau Schmidt-Dietrich möchte ich noch ein persönliches Dankeschön sagen. Die stets offene Tür zu ihrem Büro, sowie die Gespräche auf Augenhöhe, die keine Probleme unbeachtet lässt, werden uns sicher in Erinnerung bleiben.

Aber was nehmen wir nun aus der Ernst-Reuer-Schule mit? Was nehmen wir mit in diese riesige, unsichere Welt? Ich denke, dass uns die Ernst-Reuter-Schule zeigt, wie ein solidarisches Miteinander geht. Dass es immer Orte braucht, an denen jeder willkommen ist und jeder die Chance bekommt, sich weiterzubilden und wachsen zu können. Auch nehmen wir mit, dass man gemeinsam viel erreichen kann. Denn wir mussten den Weg nicht allein gehen. An der Ernst-Reuter-Schule zählt noch das Gemeinschaftliche und nicht nur, dass jeder allein seines Glückes Schmied ist. Mir hat diese Schule gezeigt, dass durch die Hilfe von Lehrern, Mentoren und anderen Schülern viel erreicht werden kann.

Wir sollten also unsere Zukunft nicht der Angst ergeben, sondern gemeinsam immer nach den Träumen streben, die wir für richtig halten, die uns glücklich machen. Da man die Welt wieder einteilen möchte in weiß und schwarz, Muslime und Christen, Nord und Süd, widersetzt sich die Ernst-Reuter-Schule mit ihrem Bekenntnis zum schönen Chaos der Diversität. Auch wir sollten uns dazu bekennen. Wir sollten dazu stehen, eine Schule zu sein, die nicht eine homogene Masse ist. Die nicht ganz in die Produktionsmaschine der deutschen Schulen passt. Wir sollten dazu stehen, ein buntes Gemisch aus vielen Menschen zu sein. Eine Gruppe zu sein, in der jede Person auch für sich stehen kann. Hier in der Ernst-Reuter-Schule wird keiner zurückgelassen und so sollten wir auch in unserem späteren Leben nie jemanden aufgeben, sondern immer probieren, gemeinsam zu wachsen.

Vielen Dank.

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